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newsage 3/2009 pg 61 

Immer mehr Menschen werden sich bewusst, dass wir einen Schutzengel haben. Ein Engel – so erzählt das alte, spirituelle Christentum – der auch schon in vorigen Leben bei uns war, um uns zu führen und zu schützen. Unser Schutzen- gel weiß daher genau, welche Lektionen wir jetzt in diesem Leben lernen müssen:
Er kennt uns ja besser als wir uns selbst. Ehe wir geboren werden, bereitet er uns auf das neue irdische Leben vor. Er lässt uns sehen, was wir erfahren werden: die schönen und auch die schmerzlichen Er- fahrungen. Und er zeigt uns, was wir da-
raus lernen können.
Dann bewegen wir uns zusammen mit
ihm auf die Erde zu. Aber je näher wir der Erde kommen, umso mehr vergessen wir die Anwesenheit unseres Engels und das, was er uns erzählt hat. Die alte Tradition berichtet, dass ein Kind niemals alleine auf die Welt kommt, es kommt immer zu zweit. Denn unsichtbar, aber spürbar ist sein Engel bei ihm. Wer erinnert sich nicht an die tiefe, fast kosmische Weisheit, die man in den Augen eines Neugeborenes se- hen kann? Es ist die Weisheit seines Engels: Er wirkt spürbar durch ihn. Deshalb kann ein dreijähriges Kind auch zu seiner Mut- ter sagen: „Früher, als ich noch eine andere Mutti hatte, warst du mein Schwester- lein“. Es ist das Wissen des Engels, das in solchen Aussagen zum Ausdruck kommt.
Während wir aufwachsen fängt der En- gel an, sich langsam von uns zu lösen. Und später, wenn wir in die Pubertät kommen, repräsentiert er die Ideale unseres Herzens, die uns den Impuls geben, uns noch stärker mit dem irdischen Leben zu verbinden. Wir erhalten die Möglichkeit, die Ausbildung zu wählen, die uns helfen wird, unsere Ideale zu verwirklichen. Je älter wir werden, desto
weiter entfernt ist der Engel von uns: Da- mit lässt er uns die Freiheit, unsere eige- nen Entscheidungen zu treffen. Er wirkt nicht länger direkt auf uns ein, sondern versucht uns von außen zu inspirieren. Das macht er durch so genannte „Zufälle“ – scheinbar zufällige Begegnungen oder An- rufe, in denen wir die verborgene Führung unseres Engels erkennen können.
Am Wendepunkt unseres Lebens, wäh- rend der Midlife-Crisis, hat sich unser En- gel am weitesten von uns zurückgezogen. Von diesem Zeitpunkt an nähert er sich uns aber wieder langsam an. Jetzt weckt er in uns das Verlangen, den verborgenen Hintergrund des Lebens zu verstehen. Und wenn wir noch älter werden, ruft er Erin- nerungen wach, die uns erkennen lassen können, warum unser Leben so verlaufen ist, wie es verlaufen ist. Auf diese Weise bereitet er uns auf die Aufgabe vor, die nach dem Tod auf uns zukommt: selbst herauszufinden, was wir aus den Lekti- onen des Lebens gelernt haben.
Und dann, wenn wir die Augen schließen und sterben, werden wir auf der Schwelle mit unserem geistigen Auge unseren En- gel erblicken. Voller Freude werden wir ihn umarmen und das Gefühl haben: Jetzt bin ich endlich wieder daheim. Und dann nimmt er uns an die Hand und führt uns nach Hause.
Hans Stolp
 
Buchtipp:
Behütet und geborgen – mein Eingel und ich
114 Seiten, € 9,95
ISBN 978-3-89427-486-3
Aquamarin Verlag
Buchtipp:
Hans Stolp